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01.07. - 18:17 h

Burma im Überblick, Vol III

Burma im 2. Weltkrieg

Die japanische Invasion

Das ungeliebte Burma, von den Briten als Puffer zum Schutz Indiens gegen die Franzosen eingerichtet, bekommt im 2. Weltkrieg für die Alliierten plötzlich eine herausragende Bedeutung. Japan hat bereits einen großen Teil Chinas erobert und die Allierten bis an dessen Südgrenze zurückgedrängt. Der Nachschub für die Kuomintang Streitkräfte von Generalissimo Tschang Kai-tschek muss von der Ortschaft Ledo in Indien aus über die berühmte Straße gleichen Namens duch den Norden Burma’s bis nach Kunming in Yünnan transportiert werden. Die Japaner, die für ein pan-asiatisches Reich ganz China brauchen, müssen diesen Nachschub unter allen Umständen unterbrechen.

Aung San und die 30 Kameraden

Sie wollen sich dabei der Unabhägigkeitsbewegung Dobama Asiayone von Thakin Aung San bedienen. Das Ziel der Japaner ist ein Kollaps der britischen Administration und der alliierten Nachschublinien durch einen burmanischen Volksaufstand. Als Gegenleistung wird die Unterstützung der Unabhängigkeit von der britischen Krone versprochen.
30 burmanische Thakins werden unter höchster Geheimhaltung von den Japanern auf die Insel Hainan gebracht und ein halbes Jahr militärisch ausgebildet. Sie gehen als die ‘Thirty Comrades’ in die burmesische Geschichte ein.

Am 28. Dezember 1941 wird offiziell die ‘Burma Independence Army’ (BIA) eingeweiht. Zur gleichen Zeit bereiten sich Thakin Aung San, der Kommandant der BIA, und die ‘Thirty Comrades’ in Bangkok mit dem traditionellen Ritual des Thwe Thauk auf den Angriff zur Befreiung ihres Landes vor. Für immerwährende Blutsbande und Kameradschaft haben sie ihr aller Blut in einem Gefäß aufgefangen, mit Brandy versetzt und getrunken. Das Durchschnittsalter der Thakins ist 24 Jahre. Innerhalb der letzten Tage haben sie jenseits der siamesischen Grenze mehr als 4.500 Freiwillige für ihre Burma Independence Armee rekrutieren können.

Die BIA folgt der japanischen Armee, die im Januar 1942 über das verbündete Siam in den östlichsten Zipfel British India’s einmarschiert. Die Japaner kämpfen sich von Sieg zu Sieg gegen die britischen Kolonialtruppen, die unter Zurücklassung sämtlicher Ausrüstung auf einem ungeordneten Rückzug um ihr nacktes Überleben rennen müssen. Knapp zwei Monate später nehmen die Japaner Rangoon ein, das die britischen Militärs brennend hinterlassen. Die Alliierten hoffen auf die Verlangsamung des japanischen Vorstosses auf ihre Truppen im Nordwesten (’Upper Burma’), doch das Gegenteil tritt ein: nachdem auch Singapur in Malaya von den Japanern eingenommen wird, kann der Tenno die siegreichen Divisionen samt der von den Briten eroberten Ausrüstung als Verstärkung nach Burma schicken. Im Mai ‘42 werden die Briten samt zehntausender indischer Zivilisten in völliger Auflösung über die Grenze nach Imphal in Manipur getrieben.

Auch dieser Rückzug erweist sich noch nicht als das Ende des Elends, denn die Japaner stoßen über die Grenze ins Kernland des britischen Empires vor, erobern Imphal und greifen Kohima in Indien an. Die Frustration und Demütigung der Briten - kaum ein Jahr nach dem japanischen Angriff auf ihre Kolonie Burma - ist grenzenlos.

Derweil sind zwei imperiale Armeen nebst ihrem bewaffneten Gefolge und hungrigem Troß durch Burma und fast jeden Teil des Landes getrampelt. Was die Japaner und die Burmese Independence Army (BIA) auf ihrem Vormarsch nicht zerstört haben, erledigen die Briten auf ihrem Rückzug der kalkuliert ‘verbrannten Erde’. Fast keine Ecke des Landes bleibt verschont. Die BIA Thakin Aung San’s führt sich in den Gebieten der ethnischen Nationalitäten derartig barbarisch auf, dass sogar die Japaner, selbst nicht gerade zimperlich, die Burmanen zur Mäßigung auffordern. Besonders die Karen werden bereits am Anfang des Krieges von den BIA Milizionären maßlos terrorisiert.

Burma Road: die Karen im alliierten Kampf gegen den Faschismus

Die geschlagenen Alliierten müssen jedoch unter allen Umständen ihre Truppen in Yünnan/China mit Nachschub versorgen und brauchen dafür die Ledo Road durch die verlorene Kolonie Burma. Die Verzweiflung der alliierten Streitkräfte entscheidet die lange Schlacht um Kohima in Indien und markiert den Wendepunkt im strategischen Glück der Japaner. Die Rückeroberung Burmas beginnt mit der Rekrutierung von Kämpfern ethnischer Nationalitäten, die im Krieg unter den Repressalien der Burma Independence Army zu leiden hatten. Im Dezember 1943 werden die Japaner zum Rückzug aus Indien gezwungen und überqueren den Chindwin Fluss über den sie die Briten 18 Monate zuvor aus Burma vertrieben hatten.

Die Himmelfahrtskommandos mit denen Amerikaner, Briten, Chinesen, Inder, Kachin und Karen nach und nach hinter den feindlichen Linien die Rückkehr der alliierten Streitkräfte durch den Dschungel erzwingen sind Geschichte. ‘Merrills Marauders’ und die ‘Chindits’ besiegen aber nicht nur die Japaner sondern auch gleichzeitig die Unabhängigkeitsarmee ihrer burmanischen Mündel der Burma Independence Army.

Die Burma Independence Army als Instrument der Rache

Mittlerweile besitzen die einst versklavten Karen des Irrawaddy Delta und der Ebene ein ihren burmanischen Nachbarn ebenbürtiges Selbstbewußtsein und ihre wehrhaften Verwandten in den wilden Bergen östlich des Flusses unumstrittene Autonomie von der zentralistischen Staatsgewalt. Darum werden die Karen auf dem Rückzug der Japaner von der BIA Aung San’s flächendeckend massakriert und ihre Dörfer aus Rache an den Kollaborateuren niedergebrannt.

Eine Gruppe Karen Guerrilla Kämpfer wird von einem britischen Offizier namens Hugh Seagrim angeführt, der nach der Niederlage der Alliierten im Land der Karen geblieben war. Nachdem im Irrawaddy Delta innerhalb kürzester Zeit hunderte Karen Zivilisten von der BIA umgebracht werden, unter ihnen ein ehemaliger Minister mit seiner englischen Frau und ihren Kindern, kann der von den Karen liebevoll ‘Grandfather Longlegs’ genannte Seagrim das Gemetzel nicht mehr mit ansehen und stellt sich seinen Feinden. Die Japaner köpfen ihn kurzerhand und die BIA fährt mit den Massakern fort.

Hier werden Jahrhunderte des Mißtrauens offensichtlich. Selbst gutwillige Mediatoren beider Seiten werden die historischen Spuren dieser Verwüstung später als unüberwindbare Hürden am Verhandlungstisch zu spüren bekommen und viele einflussreiche Politiker und Militärs ihrer Verhandlungsbereitschaft wegen das Gesicht oder sogar ihr Leben verlieren.

Die Burma Independence Army wechselt die Seiten

Auf der Höhe der japanischen Erfolge hatten die Nationalisten bereits am 1. August 1943 die Unabhängigkeit Burma’s proklamiert. Jetzt bricht sie mit den flüchtenden Japanern wie ein Kartenhaus zusammen. Thakin Aung San tauft die BIA in ‘Burma National Army’ um und im August 1944 wird unter Beteiligung aller ‘Thakins’ eine neue Bewegung initiiert, die Anti-Fascist People’s Freedom League, AFPFL. Als die Alliierten im Irrawaddy Delta auf Rangoon vorrücken, wechseln die Burmanen die Seiten und fallen am 27. März 1945 ihren japanischen Ausbildern in den Rücken. Am 2. Mai fällt Rangoon, die ‘Burma National Army’ marschiert symbolisch mit in die Hauptstadt ein und brüstet sich später damit, in den letzten Tagen des Rückzugs 12.000 japanische Soldaten getötet zu haben. In Wirklichkeit ist ihr Anteil an der Vertreibung der Japaner eher gering.

Ohne die Karen jedoch hätten die britischen Truppen im Dschungelkrieg gegen die Japaner keine Chance gehabt. Die Kachin und Karen tragen einen großen Teil dazu bei, dass der Faschismus in Südost Asien besiegt werden kann und sie erhoffen sich von ihren britischen und amerikanischen Waffenbrüdern als Gegenleistung Unterstützung für ihre Selbstbestimmung nach der Unabhängigkeit. Sehr zum Leidwesen Winston Churchill’s lassen die Alliierten sie fallen wie heiße Kartoffeln.

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