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03.07. - 09:03 h

Burma im Überblick, Vol. IV

Die Karen im Strudel der Unabhängigkeit

Angesichts des britischen Verrats gründet der Karen Anwalt Saw Ba U Gyi am 5. Februar 1947 als ersten Schritt zur Selbsthilfe mit 700 Karen Delegierten aus allen Landesteilen die Karen National Union, KNU. Als politische Organisation soll sie den Einfluss seines Volkes hinsichtlich der Verhandlungen zur Unabhängigkeit Burma’s sicherstellen. Bereits im November ‘46 ist die mächtige kommunistische Partei aus der geeinten Front der Anti-Fascist People’s Freedom League, AFPFL Thakin Aung San’s ausgeschlossen worden. Im ganzen Land gründen sich Parteien und Milizen entlang ethnischer oder ideologischer Richtlinien. Kriegsveteranen, die nicht in die neue Burma Army übernommen werden, organisieren sogenannte People’s Volunteer Organisations, PVOs, die zunächst nominell die Miliz von Thakin Aung San’s AFPFL darstellen, aber schon bald offen rebellieren. Von der KP Burma’s unabhängige Rote Garden gehen in den bewaffneten Untergrund. Im July 47 wird die Karen National Defence Organisation KNDO als bewaffneter Arm der KNU gegründet und überall im Land stehen die ethnischen Kämpfer Gewehr bei Fuß. Thakin Aung San, der Kriegsheld und Führer der AFPFL ist mittlerweile Vater dreier Kinder und sich seiner Verantwortung sehr wohl bewußt. Gerade hat seine jüngste Tochter Aung San Suu Kyi ihren zweiten Geburtstag gefeiert. Soll die Unabhängigkeit friedlich verlaufen, muss er unter allen Umständen die ethnischen Nationalitäten zur Gründung der ‘Union of Burma’ mit an Bord holen.

Aung San und das Panglong Agreement

Die Besuche Aung Sans, Chefunterhändler der burmesischen Delegation in London, deuten nicht auf eine Beteiligung der ethnischen Gruppen am Entscheidungsprozess zur Unabhängigkeit Burma’s hin. Keine einzige nicht-burmanische Stimme wird dazu eingeladen. Die ethnischen Organisationen, die die Verhandlungen 10.000 km entfernt mitverfolgen, melden größte Bedenken für die Ratifizierung einer auf diese Weise ausgehandelten Unabhängigkeit an. Auch der britische Premierminister Attlee drängt Aung San die Befürchtungen der ethnischen Nationalitäten ernst zu nehmen. Aung San antwortet: “Soweit es uns betrifft stehen wir für die Freiheit aller Rassen unseres Landes ein, einschliesslich des sogenannten Karenni States und wir sind felsenfest davon überzeugt, daß weder irgendeiner Rasse noch einer Regierung unseres Landes die Früchte der Freiheit vorenthalten werden dürfen, die unser Land und unsere Leute bald ernten werden.”

Eine Konferenz in Panglong in den Shan States soll das zukünftige Zusammenleben der verschiedenen Ethnien regeln und ihre Rechte und parlamentarischen Pflichten festlegen. Obwohl weder die Karen, die Karenni, die Pa-O, die Wa, die Mon noch Rakhine, Naga oder Rohingyas an der Konferenz teilnehmen, deren Zustimmung für den Vertrag einfach umgangen wird, ist der ‘Geist von Panglong’, die Aussöhnung der Ethnien unter der Federführung von Aung San, für die meisten Bürger Burma’s unabhängig ihrer ethnischen Zugehörigkeit der nationale Aufbruch. Den unterzeichnenden Kachin und Chin wird vorsichtige Autonomie, den Shan sogar nach dem Vorbild der Sowiets das Recht auf Sezession nach 10 Jahren garantiert. Für die Kassandras unter den einsamen Rufern im Walde ist das Panglong Agreement und die am 24. September 1947 verabschiedete Verfassung Burma’s eine ‘roadmap’ in den Untergang.

Der Untergang zeichnet sich schon vorher ab. Trotz höchster Sicherheit im Sekretariat des ‘Executive Council’, der de facto Regierung Burma’s kurz vor der Unabhängigkeit, dringen Bewaffnete während einer Sitzung in das Gebäude ein und ermorden Aung San und 6 Mitglieder seines Kabinetts. Es ist der 19. Juli 1947, genau ein Monat nach dem 2. Geburtstag seiner Tochter Aung San Suu Kyi. Das ganze Land trauert. Noch bevor es zu einer Nation wachsen kann, wird es seiner Führungspersönlichkeiten beraubt und nicht eine einzige Person kann an Ansehen und Kompetenz auf sich vereinigen, was mit dem 32 jährigen Nationalhelden Aung San verloren gegangen ist. Noch am gleichen Tag wird sein Rivale U Saw verhaftet und des Mordes angeklagt. Seine Verhandlung wird zum Schauprozeß und seine Hinrichtung ein Jahr später unausweichlich.

Heute tendieren eine große Anzahl Historiker auf einen eher unscheinbaren aber ehrgeizigen Postbeamten aus Rangoon zu deuten, einer der fast mythisch verehrten ‘Thirty Comrades’. Er hat an der Seite Aung San’s die burmesische Armee gegründet. Am 1. Februar 1949 wird er ihr Oberbefehlshaber: Lieutenant-General Ne Win - ‘as brillant as the sun’.

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