Burmariders - Fahrradtour für Menschenrechte



 
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07.07. - 05:00 h

Burma im Überblick, Vol. VII

Der Putsch

Während U Nu noch mit Shan und Karenni Politikern am Verhandlungstisch sitzt, fällt Lieut.-Gen. Ne Win – ‘as brilliant as the sun’ – ein besserer Weg zur Lösung der ethnischen Frage ein. Als letzter aktiv am politischen Geschehen Beteiligter der ‘Thirty Comrades’ ist seine Macht als Oberbefehlshaber der Burma Army unaufhaltsam gewachsen und jetzt macht er davon Gebrauch. In der Nacht zum 2. März 1962 besetzt die Burma Army strategische Positionen in der Hauptstadt und nimmt Premier U Nu, sein Kabinett und die obersten Richter fest. Ins Gefängnis wandern auch die 30 Shan und Karenni Politiker, die sich zur Lösung der ethnischen Krise in Rangoon aufhalten, unter ihnen Sao Shwe Thaike, der erste Präsident der ‘Union of Burma’. Er wird nie wieder gesehen. Er ist womöglich das erste von hundertausenden unbewaffneter Opfer, die von der Militärdiktatur bis heute getötet werden.

Am Morgen wird die Konstitution von 1947 ausser Kraft gesetzt und die Vereinbarungen von Panglong suspendiert. Die Forderung der Shan und Karenni auf Einhaltung des Vertrags werden somit gegenstandslos. Zum Frühstück um 08:40 Uhr verkündet Ne Win im Radio: “Bürger der Union, ich setze sie hiermit darüber in Kenntnis, dass die Steitkräfte alle Regierungsgeschäfte übernommen haben und ab jetzt für die Sicherheit unter den sich verschlechternden Bedingungen im Land sorgen werden.” Die Burma Army, bislang Staat im Staate, ist jetzt zum Staat selbst geworden.

In der gleichen Radioansprache mahnt er die traditionell militanten Studenten des Landes und deren besonders aufsässige Organisation ‘Students Union’ in Rangoon:
” … den Studienbetrieb und die Prüfungen ohne Störungen fortzuführen.” Ne Win besetzt alle wichtigen Regierungsposten mit Militärs unter seinem persönlichen Einfluss und erhöht den Militäretat. Soweit erscheinen alle Maßnahmen einem Militärputsch entsprechend zu verlaufen und den Bürgern des aufgewühlten Landes zunächst keine übertriebenen Sorgen zu bereiten. Stirnen werden erst gerunzelt, als der General Pferderennen, Schönheitswettbewerbe und die überaus populären Tanzveranstaltungen verbietet um die “Moral im Lande zu wiederherzustellen.” Ne Win selbst ist nicht gerade für einen puritanischen Lebensstil bekannt und dies ist das erste Beispiel der offensichtlichen Heuchelei des Diktators auf Burma’s zukünftigem Weg zum Sozialismus.

Am 4. Juli gibt das Militär die Gründung einer Partei bekannt. Die ‘Ideologie’ der Burma Socialist Programme Party, BSPP von General Ne Win ist ein kruder Mix aus Marxismus, buddhistischem Gedankengut, Humanismus und Aberglauben und soll den Geist einer authentisch burmesischen Politik traditioneller Prägung beschwören. Die offensichtliche Abdrift in den Totalitarismus gefällt den ausländischen Geschäftsleuten in Rangoon plötzlich gar nicht mehr: sie hatten den Putsch zunächst begrüßt. Die ‘Stabilität’ die dem Militär vorschwebt, die Transformation Burma’s politischer und ökonomischer Strukturen und der damit einhergehende Verlust persönlicher Freiheit sorgt in der Öffentlichkeit zunächst für ungläubigen Ärger. Zuerst sind es die Studenten, die öffentlich gegen den Militärputsch demonstrieren.

Nur drei Monate nach seiner Machtergreifung gibt General Ne Win persönlich den Befehl auf sie zu schießen. Sai Tzang, Shan Student in Rangoon: “… Ich rannte durch den Kugelhagel und betete nicht getroffen zu werden. Schließlich erreichte ich die Deckung unseres Wohnheims. Die Soldaten feuerten in das Gebäude und wir hörten wie die Kugeln in die Wände einschlugen und die Fenster zersplitterten. Es war klar, daß die Armee nicht einfach nur die Versammlung der Menge auflösen sollte sondern schoß um zu töten.” Offiziell ist von 15 Toten die Rede, aber unabhängige Beobachter berichten, daß der Campus “wie ein Schlachthaus aussah, wo nicht 15, sondern hunderte potentieller Führungskräfte einer Gesellschaft Burma’s der Zukunft tot am Boden lagen.” Die Bürger Rangoons trauen ihren Augen nicht, als wenig später das historische Gebäude der ‘Student’s Union’, eine Landmarke im Stadtkern und Symbol kosmopolitischen Selbsverständnisses von den Militärs in die Luft gesprengt wird.

Alle Hochschulen und Universitäten werden geschlossen. Hunderte ethnischer Studenten aus den Städten fliehen in den grünen Gürtel der Gebiete, die von den Guerilla Kämpfern in den Bergen ihrer Heimat kontrolliert werden. Die unvermittelte Suspendierung der Menschenrechte und die Grausamkeit der Militärs lässt in den ethnischen Siedlungsgebieten die alten Wunden wieder aufbrechen. General Ne Win rüstet gegen jede Art von Widerstand auf, sei sie ethnischen oder politischen Ursprungs, militärischer oder philosophischer Natur. Sein Heer ist stark und bereit die ‘Banditen, die unsere Grenzen unsicher machen’ auszuräuchern.

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