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09.07. - 07:49 h

Burma im Überblick, Vol. IX

Die Währungsreform

Die Liste völlig unverständlicher Maßnahmen ist lang in der Burmesischen Volkswirtschaft seit der Unabhängigkeit. Auch Ne Win scheint kräftig an dem Ast zu sägen auf dem er sitzt. Welch irrwitzige Blüten das hervorbringt, wird an einem Ereignis deutlich, dessen Folgen Burma weltweit in die Presse bringen wird.

Am 5. September ‘87 verkündet der offizielle Radiosender um 10 Uhr: “Der Staatsrat Burma’s verfügt hiermit, dass alle 25, 35 und 75 Kyat Noten ab 11 Uhr am Samstag, dem 13. Tag des zunehmenden Mondes von Tawthalin im Jahre 1349 des burmesischen Kalenders rechtskräftig ungültig werden.”

Gründe werden zunächst nicht genannt. Mit einem Schlag werden 70% des umlaufenden Geldes wertlos, Studenten können ihr Schulgeld nicht bezahlen, die Menschen verlieren ihr Erspartes. Eine 35er Banknote ist ein bemerkenswerter Nennwert für eine Währung: Ne Win hat sie auf Anraten seiner Astrologen 1985 eingeführt. Längst ist der ehemalige Postbeamte Shu Maung nicht nur mehr der Oberbefehlshaber der Burma Army, Staatschef und Generalstaatsanwalt, sondern der Herrscher über sein persönliches Imperium namens Burma ganz im Geiste des siegreichen ‘Hsinbyushin’ - Herr der weißen Elefanten - und ‘as brilliant as the sun’.

Im gleichen Monat werden 45er und 90er Banknoten herausgegeben. General Ne Wins Glückszahl ist die 9. Er opfert die ökonomische Vernunft seinem Aberglauben. Offiziell wird die Maßnahme mit der Bekämpfung der Schwarzmarkthändler und illegalen Geldwechsler an den Grenzen begründet. Das finden die Geschädigten in ‘Burma proper’, die noch in Kyat rechnen, zahlen und sparen nicht witzig und ein wenig viel an Realitätsverlust. Noch am gleichen Tag kommt es zu Demonstrationen. Die Universitäten und Schulen des Landes werden vorsichtshalber wieder geschlossen.
Die ‘Währungsreform’ und die politischen Erdstöße die sie verursacht, werden das letzte massive Aufbegehren der Burmesen gegen ihre Militärdiktatur bis zum heutigen Tag darstellen.

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