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11.07. - 07:10 h

Burma im Überblick, Vol. XI

Aung San Suu Kyi

In Rangoon versammeln sich am 26. August mehrere hunderttausend Demonstranten an der Shwedagon Pagode: sie wollen eine Rede der Tochter ihres Nationalhelden Aung San hören, die nach 28 Jahren Exil in ihre Heimat zurückgekehrt ist. Aung San Suu Kyi, 43 Jahre alt, hat nie vergessen wessen Tochter sie ist. Unter einem Portrait Aung San’s und dem Applaus der Menschenmassen ist ihre erste öffentliche Rede selbstbewußt: “Die momentane Krise ist von enormer Tragweite für die ganze Nation. Als die Tochter meines Vaters kann ich das was hier passiert nicht länger mit ansehen. Eigentlich könnte diese nationale Krise als der zweite Kampf um die Unabhängigkeit angesehen werden… Es ist wahr das ich im Ausland gelebt habe, das wird jedoch niemals die Liebe oder Hingabe zu meinem Land schmälern… Meine Familie weiß besser als jede andere wie doppelzüngig die Politik in Burma sein kann und wie sehr mein Vater darunter gelitten hat.”

Aung San Suu Kyi erobert die Herzen der Zuhörer im Sturm. Viele sind zunächst aus Neugier angereist. “Wir waren alle erstaunt.” so ein Zeitzeuge “Sie sah nicht nur aus wie ihr Vater, sondern redete auch wie er und hat kurz und bündig den Nagel auf den Kopf getroffen.” Sie wird die Stimme der demokratischen Bewegung. Die Menschen sehen in ihr die weibliche Reinkarnation ihres Helden der Unabhängigkeit. Aung San Suu Kyi verleiht ihnen neue Kraft im Kampf gegen die Diktatur der Militärs. Die holt am 18. September 1988 zum finalen Schlag gegen den Aufstand aus.

SLORC

Im Gegensatz zu den Massakern im August kommt die Burma Army generalstabsmäßig organisiert nach Rangoon. Mit kaltblütiger Effizienz wird jede Menschenmenge in Sicht der Armeelastwagen auf ihrem Weg in die Innenstadt niedergemäht und das Blutbad ist nach 2 Tagen beendet. “Um die Auflösung der Union zu verhindern” so der neue Oberbefehlshaber der Burma Army, General Saw Maung. Die neue Militär Clique formiert sich unter dem lautmalerisch bezeichnenden Namen SLORC (State Law and Order Restoration Council), um Gesetz und Ordnung im Land wiederherzustellen. Dem fallen erneut Tausende Menschen zum Opfer. Melinda Liu in ihrem Titel für Newsweek:
“Zeugen am Friedhof sagten, daß sie die Schreie von Verletzten hörten, die mit den Toten zum Krematorium in Kyandaw gebracht wurden und mit ihnen verbrannt wurden.”
Im Rangoon Hospital sah sie: ” …Opfer mit Schußverletzungen, die sich auf rostigen Tragen krümmten und deren Blut auf den Boden tropfte. Schon in besten Zeiten unterversorgt, waren dem Krankenhaus die Blut und Plasma Reserven ausgegangen. Dazu war kein Platz mehr im Leichenhaus. Ich sah 30 Körper die auf einem Haufen in einer Kühlkammer aufbewahrt wurden… ein Mann hatte keine Schädeldecke mehr, ein etwa 10 jähriger Junge ein Einschußloch in der Stirn.”

Während die westlichen Regierungen das Massaker aufs schärfste verurteilen, kann die neue Junta nicht öffentlich gegen die Ikone der Demokratiebewegung Aung San Suu Kyi vorgehen. Sie wird zur Generalsekretärin der am 24. September gegründeten Partei der Bewegung National League for Democracy NLD gewählt. Trotzdem kann die SLORC ihre Macht im Land schnell konsolidieren. Das neue Regime nimmt Zehntausende Dissidenten fest und wirft sie ins Gefängnis. Damit verursacht die Militärdiktatur einen Massenexodus und etwa 10.000 Studenten und Aktivisten des Aufstands fliehen in die Gebiete des ethnischen Widerstand. Viele erreichen unter dramatischen Bedingungen die von der KNU/KNLA kontrollierten Gebiete in Kawthoolei und gründen dort die All Burma Students Democratic Front ABSDF. Sie schwören zu den Waffen zu greifen und die SLORC mit aller Kraft zu bekämpfen.

Vielleicht lässt sich ermessen, wie weit ‘Burma proper’ geographisch wie mental von den Gebieten der ethnischen Nationalitäten ist, wenn man sieht was dort im August und September 1988 passiert. Die Auseinandersetzungen zwischen der Burma Army und den ethnischen Freiheitskämpfern kommt an allen Fronten zum Erliegen. Brang Seng, der Anführer der Kachin Independence Organisation und mit den Karen verbündet sagt in einem Interview mit Newsweek : “Vor der aktuellen Krise hatten wir Vorbereitungen für eine koordinierte Offensive aller ethnischen Kräfte getroffen, die wir dann abgeblasen haben. Wir wollten nicht so opportunistisch erscheinen, zu diesem Zeitpunkt einen Angriff zu starten.” Das hat zur Folge, daß die Burma Army Einheiten nach Rangoon und in andere Städte des Aufstands abziehen kann. Nicht zuletzt wirft es auch ein Licht auf die Mentalität der ethnischen Kämpfer, denen teilweise eine ans naiv grenzende Ehrenhaftigkeit zu eigen ist.

Als die massive Operation der Karen Kämpfer dann am 12. Oktober kommt und die KNU ihre von der Burma Army 1984 überrannte Basis Mae Tha Waw am Moei Fluss zurückerobern kann, nutzt die SLORC sogar die Niederlage zu ihrem Vorteil. Die burmesischen Medien, die jahrzehntelang kaum eine Zeile den Kämpfen mit den ‘Banditen’ widmet, ergeht sich jetzt in detailierten Schlachtengemälden. Dem Publikum soll so bewiesen werden, daß die Burma Army das Land verteidigt und nicht “unbewaffnete Schulkinder in den Straßen Rangoons erschießt” wie die internationale Presse es kolportiert. Dazu sollen durch die Berichte die Gefreiten motiviert werden, deren Moral durch die massiven Verluste bei den Kämpfen mit den ethnischen und kommunistischen Rebellen auf den Nullpunkt sinkt.

Ein Glücksfall kommt der SLORC zu Hilfe: die KPB zerbricht an der Unfähigkeit ihrer Führung mit der Annäherung der Volksrepublik an Burma umzugehen. Zwischen Februar und Dezember 1989 meutern sämtliche Einheiten der über 20.000 Mann starken Armee und unterzeichnen Waffenstillstandsabkommen mit der Diktatur. Der militärisch stärkste Gegner Rangoons ist aus dem Weg. Ihrer Flankendeckung beraubt handeln auch die Shan State Army, Teile der Kachin Independence Army, die Pa-O und Palaung deals mit Rangoon aus. In allen Fällen ist Khin Nyunt, der Chef des militärischen Geheimdienstes und mittlerweile Lieutenant-General, bevollmächtigter Unterhändler. Der kann sich jetzt ganz auf die Karen National Union und ihre Widerstandsarmee KNLA konzentrieren.

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