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11.07. - 17:29 h

Burma im Überblick, Vol. XII

Die erste demokratische Wahl seit 1960

Am 27. Mai 1989 nennt die SLORC Burma in ‘Myanmar’ um. Der jetzt rein burmanische Name bezieht sich auf die Zeit der burmanischen Königshäuser und Dynastien, die Zeit der Herren der weißen Elefanten, die aber nur einen Bruchteil des heutigen Burma beherrscht haben. Die Umbenennung schließt bewußt die ethnischen Nationalitäten des grünen Gürtels um ‘Burma proper’ aus und wird von ihnen nicht anerkannt. Für sie ist ‘Myanmar’ der im Wort manifestierte Alleinherrschaftsanspruch der burmanischen Generäle in Rangoon. Am gleichen Tag weist die SLORC eine Vorschlag der Thais zurück, im Konflikt mit dem ethnischen Widerstand zu vermitteln.

4 Tage später gibt die SLORC demokratische Wahlen durch die Unterschrift unter dem Pyithu Hluttaw Election Law vom 31 Mai 1989 frei – die ersten freien Wahlen seit 1960 (s. Anhang). Die Militärs gehen in ihrer grenzenlosen Arroganz davon aus die Wahl zu gewinnen. Angesichts der Massen, die auf den Wahlveranstaltungen der NLD Aung San Suu Kyi’s Aufrufen zur Disziplin und Gewaltlosigkeit lauschen, kommen ihnen jedoch bald Zweifel. Da das Kriegsrecht noch in Kraft ist, verhaften sie hunderte Aktivisten der NLD und stellen ihre Generalsekretärin Aung San Suu Kyi unter Hausarrest. Zusätzlich wird die Einrichtung von mobilen Militärtribunalen bekannt gegeben, die jeweils aus drei Mann bestehen und standrechtlich Strafen von 3 Jahren Arbeitslager bis zum Todesurteil verhängen. Im Januar 1990 verbietet die Wahlkommission Aung San Suu Kyi an der Wahl teilzunehmen und Panzer fahren in Rangoon auf.

Am 27. Mai 1990 gewinnt Aung San Suu Kyi’s Partei National League for Democracy in einem erdrutschartigen Sieg 392 von 485 Sitzen im Parlament. Die SLORC ist von dem Ergebnis der Wahl nicht begeistert und schließt am 19. Juni “eine Übergabe der Macht aus, bevor nicht eine neue Konstitution entworfen ist.” Die gewählten NLD Kandidaten rufen am 20. Juni zum Dialog und nationaler Versöhnung auf und bitten um “schnellen Übergang in ein demokratisches System.” Sie fordern weiterhin die Entlassung Aung San Suu Kyi’s und aller politischen Gefangenen. SLORC lässt zusätzliche Truppen in Rangoon aufmarschieren und am 2. September endlich verlauten, daß “die NLD zu einer Machtübernahme nicht in der Lage” sei. Die Wahl ist de facto annulliert.

Am 14. Oktober 1991 erhält Aung San Suu Kyi den Friedensnobelpreis. In der Laudatio wird sie als “eine der außergewöhnlichsten Beispiele für Zivilcourage in den letzten Jahrzehnten” gewürdigt. Da sie nach wie vor unter Hausarrest steht, kann sie die Auszeichnung nicht persönlich entgegennehmen.

Karen

Während immer mehr Rebellen in den Grenzregionen durch das Verhandlungsgeschick Khin Nyunts und die massiven Attacken der Burma Army gezwungen sind, Waffenstillstände zu unterschreiben, geraten die KNU und die von der KNLA kontrollierten Gebiete Kawthoolei’s durch die freigewordenen Kapazitäten der Burma Army Anfang 1992 unter großen militärischen Druck. Die Burma Army versucht mit allen Mitteln das Hauptquartier der KNU in Manerplaw zu erobern, das zusätzlich ‘diplomatische Vertretungen’ fast aller noch aktiven Widerstandsgruppen Burma’s beherrbergt. Ausserdem kontrolliert die KNU fast alle wichtigen Grenzübergänge nach Thailand und damit den lukrativen kleinen Grenzverkehr. Dabei werden sie zumindest von den lokalen Autoritäten und dem Thai Militär gedeckt: die KNU ist standhaft gegen jede Art von Drogenhandel und kooperiert mit den Thais gegen den massiven Influx harter Drogen wie Heroin und Methamphetamine. Ein Puffer, den Thailand an seiner nördlichen Grenze in die Shan States unter der Kontrolle des ‘Drogenbarons’ Khun Sa schmerzlich vermisst.

Zudem liegt Manerplaw an der für die Medien halbwegs durchlässigen Grenze zu Thailand und wenn Informationen über die Menschenrechtsverletzungen der SLORC ans Tageslicht gelangen, dann über die verschiedenen Organisationen, die in Manerplaw ihre Büros unterhalten. 2 der 7 von der chinesischen Regierung kürzlich erworbenen Jagdbomber werden zerstört, als sie beim Start mit einem Helikopter kollidieren. Ziel aller drei Kampfflugzeuge ist Manerplaw, wo die Kämpfe bald mit den ersten zwangsrekrutierten Kindersoldaten fortgesetzt werden. Im Westen Burma’s sind derweil bis zum Februar 1992 100.000 muslimische Rohingya vor der Burma Army nach Bangladesh geflohen.

Das Bollwerk Manerplaw hält zunächst allen Großangriffen stand, obwohl überall in Kawthoolei Gebiete in die Hände der Burma Army fallen. Zusehends leidet die Karen Zivilbevölkerung: in den von den SLORC Truppen eroberten Gebieten verwüstet das Militär, was es nicht aufessen oder mitnehmen kann. Jetzt erst kommen die ‘Four Cuts’ und das Konzept der Angst erst richtig zum tragen und die Doktrin Ne Win’s macht Sinn: sie ernährt eine Armee von zwangsrekrutierten Kindersoldaten, die vor Angst und Hunger über Leichen gehen.

Manerplaw fällt erst im Januar 1995 durch etwas, gegen das die Karen machtlos scheinen: die List des ‘divide and rule’. Die SLORC erkennt eine Schwachstelle in der Organisation der KNU und speziell ihrer Führungskader, die sich fast ausnahmslos aus gebildeten Delta Karen christlicher Erziehung zusammensetzen. Durch den burmanischen Mönch Sayadaw Baddanta Thuzana des Myainggyingu Klosters ist die SLORC in der Lage, viele Buddhisten in der KNU gegen ihre Offiziere aufzuwiegeln. Verstärkt durch die Überläufer der Democratic Karen Buddhist Army DKBA überrennt die Burma Army in der Nacht zum 27. Januar Manerplaw, seit 27 Jahren Hauptquartier der KNU und seit 1988 eine der wichtigesten Schaltstellen der demokratischen Opposition Burma’s.

Die Karen Revolution scheint dem Untergang geweiht und die wenigen Beobachter, die sich mit der Situation auseinandersetzen, können nur bestätigen, daß die Karen National Liberation Army, KNLA den Großteil ihrer Kämpfer nach Hause schickt. Aber wo ist das? Die Kämpfer sickern in Zivil in die von der Diktatur besetzten Teile ihrer Heimat Kawthoolei ein, bestellen so gut es geht die Felder ihrer Familien und versuchen derweil mit dem Zustand der Besatzung durch feindliche Truppen zurecht zu kommen. Die Burma Army hat mittlerweile 400.000 Soldaten, die aktive KNLA noch maximal 3000. Aber die Heimkehrer erwarten Aufgaben jenseits militärischer Auseinandersetzungen.

1997 entschließt sich das SLORC Regime der Generäle Khin Nyunt, Maung Aye und Than Shwe auf Anraten einer amerikanischen Public Relations Firma aus Washington den Namen SPDC (State Peace and Development Council) anzunehmen. Trotzdem führen sie einen Kurs fort, der sukzessive seit der Unabhängigkeit Burma’s 1948 die Nation in Schutt und Asche legt. Die von ihnen beschworene ‘Gefährdung der Integrität der Burmesischen Union durch ethnische Rebellen’ soll vom Umgang mit der demokratischen Opposition ablenken, von geschlossenen Universitäten und überfüllten Gefängnissen, in denen die Studenten nebst ihren Professoren einsitzen.
Die militärische Elite hält mit allen Mitteln an einem System fest, das vorrangig ihre eigenen sozialen und finanziellen Privilegien sicherstellt. Gäbe es den ethnischen Widerstand der Rakhine, Chin, Naga, Shan, Karenni und Karen nicht, hätte Rangoon allen Grund ihn zur Erhaltung seiner Macht zu erfinden.

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