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12.07. - 16:54 h

Burma im Überblick, Vol. XIII: Spiritueller Background oder Aberglaube?

Die Herren des weißen Elefanten

Dem Glauben an die göttliche Bestätigung liegt in Burma das Konzept des ‘Hpoun’ zugrunde. ‘Hpoun’ bezeichnet ein durch göttliche Vorsehung angesammeltes Ergebnis heldenhafter Verdienste. Es ist ein Synonym für Macht und zieht sich wie feinste Wurzeln durch die gesamte burmesische Gesellschaft: Macht muß durch gute Taten verdient werden. Dieser Zusammenhang ist in der Politik sehr beliebt. Mag ein Herrscher moralisch noch so ungeeignet für sein Amt erscheinen, wird er sich, solange er an der Macht festhalten kann, auf sein blühendes ‘Hpoun’ berufen können.
Der Hsinbyiushin oder Herr der weißen Elefanten ist ein Beispiel seiner Existenz.

In einer Gesellschaft, die sich bis heute viele traditionelle Ansichten bewahrt hat, dienen Symbole und Zeremonien, die sich auf das ‘Hpoun’ beziehen der Bestätigung des Machtanspruchs. Die Generäle der Militärdiktatur SPDC bedienen sich dieser Symbolik sehr gern, um die Legitimität ihrer Herrschaft vor ihrer Bevölkerung zu rechtfertigen. Ein Regime, das mit seiner Realpolitik um Anerkennung in der internationalen Gemeinschaft wirbt und seinem Volk eine ‘moderne, entwickelte Nation’ verspricht, zeigt im Oktober 2001 ein seltsam anachronistisches Gesicht.

In den Bergwäldern des Arakan Yoma im Westen Burmas ist ein weißer Elefant gefangen worden. Der Elefant ist die lang erhoffte kosmische Bestätigung der herrschenden Generäle Than Shwe, Maung Aye und Khin Nyunt, die landesweit in mehreren pompösen Zeremonien mit Gold, Silber und Edelsteinen geheiligtes Wasser über den Kopf des Tieres versprengen. Ein Begrüßungskomitee der ‘Union Solidarity and Development Association’ (USDA), der regimetreuen Massenorganisation unter der Ägide General Than Shwe’s heißt Fähnchen-schwingend den blass-rosa Elefanten willkommen, der auf einem speziell für ihn angefertigtem Floß unter heiligen weißen Sonnenschirmen bedeutender buddhistischer Mönche den mächtigen Irrawaddi herabschwebt. Die Tageszeitung New Light of Myanmar feiert das Ereignis bereits als Happy End. Es beweist, was die Generäle seit langem vorhersagen: Frieden und Wohlstand der Nation sind gesichert.

Die helle Aufregung, die der weiße Elefant im Land auslöst, illustriert die ungebrochene Bedeutung des ‘Hpoun’ in der burmesischen Gesellschaft. Es wäre aber ein Fehler anzunehmen, dass sich das Regime uralter Traditionen allein zur Manipulation seiner Schutzbefohlenen bedient. Die Generäle glauben in aller Ergebenheit selbst an die unzweifelhafte Botschaft, daß der Elefant eine übernatürliche Beglaubigung ihrer Herrschaft ist. Sie nennen ihn ‘Yaza Gaha Thiri Pissaya Gaza Yaza – Royal Elephant, That Bestows Grace Upon the Nation’. Böse Zungen übersetzen dies mit ‘Königlicher Elefant, Der Die Nation Mit Einer Gnadenfrist Austattet’.

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