Burmariders - Fahrradtour für Menschenrechte



 
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15.07. - 17:31 h

Burma im Überblick, Vol. XVI

Burma Army

Die Armee der SPDC Militärdiktatur ist mittlerweile auf eine Truppenstärke von 500.000 Soldaten angewachsen und jetzt selbst nur noch durch ein System der Angst zu kontrollieren. Fast jeder hat einen Vorgesetzten und die Exekution ist nur einen Schuß entfernt. Der militärische Geheimdienst ist überall und selbst die höheren Ränge werden oft ‘Reinigungen’ nach sowietischem Vorbild unterzogen. Dabei opfert die Führung zur Sicherheit lieber mal einen erfahrenen Soldaten zuviel, als das Risiko von Machtverlust einzugehen.

Die meisten Soldaten der Burma Army befinden sich in einer verzweifelte Lage. Der Staat ist bankrott und der magere Sold wird spät oder garnicht gezahlt. Die Moral ist schlecht. Der einfache Gefreite hungert, weil er von seinen Offizieren seiner ohnehin mageren Rationen beraubt und damit zur Plünderung in Dörfern gezwungen wird, die ihn oft an die eigene Herkunft erinnern. Die Selbstmordrate unter jungen Rekruten ist hoch. Oft werden sie schon minderjährig angeworben oder sogar gekidnapped. Einem am 15. Oktober 2002 von Human Rights Watch veröffentlichtem Bericht zufolge, hat die Burma Army die meisten Kindersoldaten der Welt. 70.000 sollen es sein, fast 20% der Burmesischen Streitkräfte. Desertion ist weitverbreitet. Seit langem hat sich herumgesprochen, daß der Dienst in der Armee eine Tortur ist. Sie wird nur noch durch den Terror zusammengehalten, den die Offiziere auf die Ränge ausüben.

Durch die Burma Army begangene Menschenrechtsverletzungen füllen Bände von Menschenrechtsgruppen publizierter Berichte, die jedoch in Anbetracht der Größe und Unzugänglichkeit Burma’s nur einen kleinen Teil des Dramas dokumentieren können. Die Shan, Karenni und Karen haben das Glück an der 2400 km langen Grenze zu Thailand zu wohnen, sie ist durchlässig für Informationen. Der Rest der ethnischen Gebiete befindet sich jenseits eines Monitoring durch unabhängige Beobachter.

In Kawthoolei, dem Land der Karen, verstärkt die Burma Army die militärischen Offensiven gegen die Zivilbevölkerung. Ganz nach der ‘4 cuts’ Doktrin Ne Win’s hinterläßt sie eine Schneise absoluter Verwüstung.

Free Fire Zones

Die SPDC hat, wie der Fleischer die Kuh, Kawthoolei in verschiedene Abschnitte eingeteilt, um den Terror gegen die Bevölkerung zu systematisieren. Weiß sind die Zonen gekennzeichnet, die ausschließlich von der SPDC kontrolliert werden, mithin etwa 2 Drittel des Karen-Landes. Braun werden Zonen auf der Karte gefärbt, in denen die KNLA aktiv Guerilla Aktionen ausführt, schwarz wo sie das Gebiet kontrolliert. Das sind zur Zeit weniger als 2% der gesamten Fläche Kawthoolei’s. Die braunen und schwarzen sind sogenannte freie Feuerzonen in denen en passant auf alles geschossen wird was nach Karen aussieht.

Karen Zivilisten werden jenseits rechtlicher Basis wahllos hingerichtet. Es kommt zu Massenerschießungen. Todesschwadronen mit dem Namen ‘Sa Ton Lon Dam Byan Byaut Kya’ (SSS = Anti-Guerrilla Retaliation Unit) in Zivilkleidung haben in den letzten Jahren hunderte Karen getötet. Vergewaltigung ist ein Mittel der Kriegführung. Ein Drittel der Frauen wird anschließend getötet (s Anhang Rape.doc) Die Burma Army foltert die Karen. Das reicht von einfacher Prügel bis zur Verstümmelung. Das Plündern und Niederbrennen ganzer Dörfer zahlt sich zweierlei aus: die Armee verpflegt sich so in Zeiten äußerst knapp bemessener Rationen selbst. Zweitens wird dadurch die Bevölkerung ihrer Lebensmittel beraubt, die somit auch den Rebellen nicht zur Verfügung stehen. Die Menschen müssen sich Verstecke im Wald suchen, selbst einfache Ausbildung, Hygiene, Ernährung und medizinische Versorgung werden zu unüberwindlichen Problemen.

Die Karen werden daran gehindert ihre Reisfelder zu bestellen. Da sie keine andere Möglichkeit haben, als dies heimlich zu tun hat die Burma Army verfügt, dass die Bauern ohne Vorwarnung auf ihren Feldern erschossen werden dürfen. Sollte der Reis doch eingebracht werden, wird er entweder von der Armee beschlagnahmt oder vernichtet. Unausweichlich ist dann die kollektive Bestrafung des Dorfes. Der Haustierbestand wird konfisziert oder getötet, das Dorf verwüstet, Wertsachen gestohlen.

In ‘relocation’ genannten Operationen wird die Bevölkerung ganzer Dörfer zwangsweise in durch die Burma Army kontrollierte Gebiete umgesiedelt. So erhält die KNU keine Unterstützung mehr und der Burma Army steht ein unerschöpflicher Pool von Zwangsarbeitern und Trägern zur Verfügung. 80% der infrastrukturellen Baumaßnahmen in Kawthoolei werden heute von Zwangsarbeitern getätigt. Die Träger werden gezwungen, die Waffen und Munition an die Front zu transportieren, mit denen ihre eigenen Leute erschossen werden. Grotesk geradezu, daß sie zusätzlich den von der Armee konfiszierten Reis schleppen müssen, den sie eigenhändig angebaut haben und von dem sie jetzt nicht einmal essen dürfen. Alte und Kinder, die nicht schwer tragen können, werden den Truppen als lebendige Minendetektoren voran geschickt.

In den ‘relocation camps’ geht der Mißbrauch weiter. Die Umgesiedelten müssen für nicht geleistete Trägerdienste oder Zwangsarbeit zahlen. Abgaben werden erhoben, die sich die Offiziere in die eigene Tasche stecken. Ein Teil der Reisernte muss einer Quotenregelung gemäß an die Armee abgegeben werden. Dies führt in schlechten Erntejahren dazu, dass die Karen Bauern ihren eigenen Reis von der Burma Army zurück kaufen müssen, um die Quote zu erfüllen.

Flüchtlinge

Darum fliehen immer mehr Karen in Verstecke im Wald oder nach Thailand. Aber auch da sind sie nicht sicher. Die Burma Army verfolgt die Menschen, die sich im Dschungel verstecken wenn nötig bis über die Grenze. Im April 1998 wird das Flüchtlingslager Huai Khalok auf thailändischem Boden in Sichtweite der Stadt Mae Sot überfallen und niedergebrannt. Vier Karen Flüchtlinge werden getötet, darunter eine Schwangere und zwei Schulmädchen. Nach dieser Attacke werden die Lager zusammengefaßt, das größte Flüchtlingslager Mae La beherrbergt heute 60.000 Karen. Insgesamt sind vor den Verbrechen der Burma Army etwa 170.000 in die Lager entlang der Grenze geflohen. Weitere 500.000 leben als illegale Migranten in Thailand.

Lebensbedrohlich allerdings ist die Lage der Flüchtlinge, die sich in Burma selbst verstecken müssen. Sie sind nicht nur der Militädiktatur direkt ausgesetzt, sondern auch der Malaria und dem Hunger, den billigsten und effektivsten Massenvernichtungswaffen die der SPDC zur Verfügung stehen. Human Rights Watch gibt die geschätzte Anzahl dieser Internally Displaced Persons oder IDPs mit über einer Million Flüchtlingen im eigenen Land an.

Teilweise ist diese große Anzahl IDPs das Resultat der Waffenstillstandsabkommen der ethnischen Nationalitäten mit der SPDC am Ende der 80er Jahre. Kachin, Mon und Shan Fraktionen, die sich durch die Vereinbarungen mit dem Regime eine Verbesserung der Lage der Menschenrechte erhofft haben, sind jedoch bitter enttäuscht worden, denn jetzt herrscht die totale Unterdrückung und Kontrolle in ihren ethnischen Siedlungsgebieten durch die Burma Army. Sie beklagen der Verlust ihrer ethnischen Identität, Sprache und Kultur im Zuge der “Burmanisierung”. Sie müssen weiterhin Zwangsarbeit leisten, Erpressung hinnehmen und zusehen wie ihre Töchter vergewaltigt werden, nur haben sie jetzt nicht mehr die geringste Möglichkeit sich dagegen zur Wehr zu setzten. Diese Beispiele haben die Arakanesen, Chin, Shan, Karenni und Karen Oppositionellen gelehrt, sich nicht entwaffnen zu lassen, sind ihre Waffen doch der einzige Pfand, den sie als Druckmittel gegen die SPDC haben. Die Spirale der Gewalt wird nicht mit der bedingungslosen Kapitulation der Freiheitskämpfer enden und die sind militärisch nicht in der Lage die Burma Army der SPDC Generäle zu besiegen. Die Generäle können nur von ihren eigenen Leuten gestürzt werden und dann hoffentlich vor einem internationalen Gerichtshof stehen und nicht vor einer Hauswand in Rangoon.

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