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20.06. - 23:59 h

Das Goldene Dreieck, Vol.I

Die Kuomintang (KMT)

Die Geschichte der Kuomintang, der ‘Nationalen Volkspartei’ Chinas, wurde massgeblich durch ihren nationalistischen Parteivorsitzenden Tschiang-kai Tschek geschrieben. Seine Popularität gründete vor allem auf seine Erfolge im zähen Kampf gegen die japanische Besetzung von 1931 – 45. Im folgenden chinesischen Bürgerkrieg war er der Gegenspieler Mao’s, die KMT der einzig ernstzunehmende Gegner der chinesischen Volksbefreiungsarmee.
1949 siegte Mao; Tschiang-kai Tschek und ein Grossteil seiner Kuomintang Kämpfer und ihre Familien, etwa 2 Millionen Menschen, zogen sich auf die Insel Formosa zurück, das heutige Taiwan. Einige Tausend KMT Truppen und ihre Familien wurden jedoch in der südchinesischen Provinz Yünnan von diesem Rückzug abgeschnitten und flohen über die sino-burmesische Grenze in die Siedlungsgebiete der Shan und Wa. Von dort planten die schwer bewaffneten und kampferprobten Nationalisten die Rückeroberung Chinas. Alle am Anfang der 50er Jahre lancierten Versuche wurden jedoch von der Volksbefreiungsarmee zurückgeschlagen und die KMT musste sich nach Möglichkeiten umsehen, ihre militärische Stärke auszubauen. Sie rekrutierten oder zwangen die lokale Jugend in ihre Armee, die bald mehr als 10.000 Soldaten unter Waffen hatte. Jetzt hatte in Burma niemand mehr die militärische Macht den KMT Truppen ernsthaften Widerstand entgegenzusetzen. Bald verbreiteten undisziplinierte Trupps marodierender Soldaten auf der Suche nach Beute Angst und Schrecken unter der Bevölkerung und konnten die Einflusssphäre der KMT auf weite Teile des Shan Gebietes bis in den Karenni State westlich von Mae Hong Son ausweiten.

Zwei zusätzliche Faktoren trugen wesentlich zum Machtzuwachs der ‚burmesischen’ KMT bei: ihre Rückendeckung durch den amerikanischen CIA gegen die Bedrohung durch das kommunistische China und ihr Einstieg in das Drogengeschäft auf industrieller Basis. Ohne eigene ökonomische Grundlage in den Shan Bergen erkannten die Chinesen sehr schnell die Möglichkeit durch Raffinierung und Schmuggel von Opiaten ihre Armee zu finanzieren. KMT General Duan Shi-Wen: „Wir müssen das Böse, den Kommunismus bekämpfen; um zu kämpfen braucht man eine Armee und eine Armee braucht Waffen; um Waffen zu kaufen braucht man Geld. Das einzige Geld in diesen Bergen hier ist Opium.“

So ist durch die KMT die engverwebte Infrastruktur von Raffinerien und Schmuggelpfaden im Dreiländereck Burma, Laos und Thailand entstanden, die bei uns als ‚Goldenes Dreieck’ bekannt ist und über Taiwan und Hongkong bis heute Heroin und Methamphetamine (Ya Ba) in alle Welt liefert.

Trotz der militärischen Rückschläge unternahm die KMT bis in die frühen 60er Jahre Sabotage Aktionen, Spionage- und Infiltrationsmissionen über die sino-burmesische Grenze. Um dem ein Ende zu bereiten marschierten Anfang 1961 20.000 Soldaten der Volksbefreiungsarmee Mao’s über die Grenze. In Zusammenarbeit mit der burmesische Regierung und der Unterstützung 5000 burmesischer Soldaten vertrieben sie in einer massiven Offensive das Ärgernis KMT von ihrer Grenze. Die überlebenden Kämpfer und ihre Familien flüchteten nach Süden, wo sie sich einen Schritt jenseits der Grenze auf thailändischem Territorium ansiedelten oder in einer von der UN überwachten ‚Repatriierung’ nach Taiwan evakuuiert wurden.

Die Thais waren erstaunlicherweise nicht sonderlich verärgert über diese illegale Landnahme durch eine ausländische Armee, sondern hiessen die etwa 3000 verbleibenden KMT Kämpfer unter den Generälen Li und Duan sogar willkommen. Dazu muss man sich in die Lage Thailands unter amerikanischem Einfluss zu Zeiten der Dominotherorie versetzen: viele Nachbarstaaten waren entweder bereits gekippt und kommunistisch wie China und Korea, oder unmittelbar vor dem Umfallen wie Laos, Kambodscha und Vietnam. In Burma und Malaysia kontrollierten die kommunistischen Armeen bereits umfangreiche Territorien, aber auch in Thailand selbst bewaffnete sich in einigen Provinzen der sozialistische Widerstand. Die PLAT (Peoples Liberation Army of Thailand) gewann vor allem auf dem Land und unter den Intellektuellen in Bangkok immer mehr Anhänger. Bis heute werden so bekannte Popmusiker wie ‚Caravan’ für ihre Mitgliedschaft in der kommunistischen Partei Thailands geradezu romantisch verehrt.

Die ultra-nationalistische KMT diente den Thais als Puffer, sowohl gegen die Kommunisten aus Burma, wie auch gegen ihre eigenen: so war die KMT massgeblich an den Kämpfen zum Schutz der Baumassnahmen des Highway 1090 (‚Death Highway’) von Mae Sot nach Umphang beteiligt, den die thailändische Volksbefreiungsarmee massiv sabotierte und mit allen Mitteln zu unterbinden suchte. General Duan’s Hauptquartier der 5. KMT Armee in Mae Salong schickte Soldaten bis an die laotische Grenze um die Kommunisten in Schach zu halten. Mit Erfolg: wo die KMT Truppen das Gebiet kontrollierten, hatte die PLAT das Nachsehen. Dieses Sicherheitskonzept hatte jedoch einen hohen Preis: in ihrer Begeisterung über die Effektivität ihrer chinesischen Freunde übersahen die Thais deren massive Verwicklung ins internationale Heroingeschäft. Mit dem Rückenwind aus Bangkok und der Unterstützung durch den CIA kehrte die geschäftstüchtige Selbstsicherheit der KMT zurück. Bald begannen auf thailändischem Territorium in Kae Noi, Nong Ook, Mae Salong und Piang Luang ausgedehnte Mohnfelder und Raffinerien aus dem Boden zu schiessen. So tief verstrickte sich die KMT ins florierende Drogengeschäft, dass sie ihre anti-kommunistische Mission bald über Bord warf und zu einer reinen Heroinmiliz degenerierte; ihre Generäle Li und Duan wenig mehr als schwer bewaffnete Gangster mit schicken Häusern in Chiang Mai.

1984 wurde das den Thais zu viel. Die Bedrohung durch in- wie ausländische Kommunisten war auf ein Minimum geschrumpft und die alternden KMT Kämpfer wurden überflüssig. Darüber hinaus wurde angesichts weltweit überbordender Zahlen von Herointoten die äusserst kompromittierende Gegenwart einer Armee von Drogendealern auf thailändischem Territorium untragbar. Schliesslich ging die thailändische Armee mit Waffengewalt gegen ihre ehemaligen Verbündeten vor, entwaffnete sie und verordnete ihren Dörfern ‚Pazifizierungsprogramme’.
Den 15.000 KMT Chinesen wurde mit der Staatsbürgerschaft die Integration in die thailandische Gesellschaft angetragen. Die von ihnen geschaffenen Kanäle vom goldenen Dreieck auf den internationalen Markt existieren bis heute und der eine oder andere hier im Ort wird auch noch davon profitieren. Mae Salong, ehemaliges Hauptquartier der 5.Armee, wird bis heute fast ausschliesslich von KMT Veteranen und ihren Nachkommen bewohnt.


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