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22.06. - 17:44 h

Das Goldene Dreieck, Vol.III

Die kommunistische Partei Burma’s (CPB) und die United Wa State Army, (UWSA)

Ein wenig spektakulärer Schusswechsel zwischen der Kommunistischen Partei Burma’s (CPB) und der Polizei der designierten Regierungspartei ‚Anti Fascist Peoples Freedom League’ (AFPFL) am 28.März 1948 markierte den Beginn des Bürgerkriegs in Burma. Als die junge Demokratie weniger als ein Jahr später in die Unabhängigkeit von der britischen Krone entlassen wurde, befanden sich schon erstaunliche Teile des Landes unter kommunistischer Kontrolle und der Rest in Aufruhr. In den nächsten 10 Jahren wuchs die CPB zur militärisch wie auch politisch bedeutendsten Opposition im burmesischen Kernland heran und etablierte in vielen Provinzen parallele Administrationen. Nach dem Militärputsch von 1962 durch General Ne Win verschob sich allerdings der Einfluss der Kommunisten langsam aber sicher an die chinesische Grenze im Nordosten Burma’s, wo die Unterstützung duch die Volksbefreiungsarmee Mao’s kürzere Wege nahm. Die CPB errichtete ihr Hauptquartier in der Stadt Pangshang. Dort waren die Kommunisten allerdings von ihren burmesischen Anhängern abgeschnitten und rekrutierten an deren Statt ansässige Jugendliche aus der Volksgruppe der Wa.

Den ‚wilden’ Wa in den unzugänglichen Bergen im Kachin und Shan State an der Grenze zu Yünnan wird nachgesagt, bis in die 60er Jahre Kopfjäger gewesen zu sein. Die Dörfer der Krieger lagen auf den Gipfeln oberhalb steiler Bergflanken, von wo sie ihre Feinde aus dem Nachbardorf am besten sehen konnten und deren abgeschlagenen Köpfe lagen im Zeremonienhaus. Mütter in ganz Burma drohten ihren unartigen Kindern mit dem ‚schwarzen Mann’ in der Form wilder Wa Menschenfresser und dieser Hintergrund liess ihren Gegnern das Blut in den Adern gefrieren. Die Wa sind auch heute noch als unerschrockene und erbitterte Kämpfer gefürchtet.

Die Wa Berge würde man bei uns wohl als ‚extrem strukturschwache Region’ bezeichnen. In kurzer Zeit hatte sich herumgesprochen, dass die Kommunisten ihre Rekruten angemessen verpflegten, gut ausbildeten und exzellent bewaffneten. Bald hatte die CPB durch die Wa Verstärkung eine Armee unter Waffen, die leicht mit den Angriffen der Grenztruppen General Ne Win’s fertig wurde und ihren Rückzug in eine Offensive verwandeln konnte.Grosse Teile der sino-burmesischen Grenze fielen an die CPB. Die Volksbefreiungsarmee Mao’s, die gerade erst die nationalistische Kuomintang Tschang-Kai Tscheks aus dem Gebiet vertrieben hatte (siehe KMT), schloss den kleinen Bruder wohlwollend in die starken Arme. Die Chinesen richteten einen starken Piratensender für die burmesischen Genossen ein, der Propaganda bis weit ins Kernland ausstrahlte. Bald war Pangshang Hauptquartier für über 20.000 Volksarmisten.

Das von der CPB kontrollierte Territorium schloss die Wa Berge und das im Norden angrenzende Kokang mit ein, in denen massiv oder ausschliesslich Schlafmohn (Papaver somniferum) angebaut wurde. Das hatte triftige Gründe: auf der mageren Scholle in dieser Höhenlage wuchs fast nichts anderes und die ansässige Bevölkerung, die sich aus Kokang Chinesen, Kachin, Shan und Wa zusammensetzte, war vom Zahlungsmittel Opium nicht nur wirtschaftlich, sondern oft auch körperlich abhängig. Diese exzessive Monokultur war erst im 2. Weltkrieg entstanden: die Briten und Amerikaner heuerten für den Krieg gegen die japanische Invasion Burma’s Kämpfer und Informanten der ethnischen Gruppen an, im Norden vor allem die Kachin. Die wussten mit Rupien, Dollars oder Pfund nichts anzufangen und schüttelten nur den Kopf. Die Währung in den Bergen war Rohopium und davon brauchten die Alliierten jetzt grosse Mengen. Dies führte zu einer geradezu inflationären Ausweitung der traditionellen Anbaugebiete in der Region und einem massiven Influx von Arbeitskräften, Bauern, Zwischenhändlern, Geschäftsleuten und ihrer Familien, die alle am Endverbraucher Alliierte Streitkräfte mitverdienen wollten. Mit dem Ende des Krieges brach dieser Grossabnehmer weg und mit ihm die wirtschaftliche Grundlage nahezu aller Zugewanderten. Erst mit den nationalchinesischen Truppen der Kuomintang 4 Jahre später (siehe KMT) kamen Einkäufer vergleichbarer Mengen zurück ins Land und das Opiumgeschäft blühte wieder auf.

Vor diesem Hintergrund wollte die burmesische Führung der Kommunistischen Partei den Anbau zunächst eindämmen, biss dabei jedoch bei der Bevölkerung auf Granit und musste stirnrunzelnd Anbau und Handel tolerieren. Bis zur Aufgabe ihres Hauptquartiers in Panghsang waren nur sehr wenige Kommunisten in den Handel verstrickt und die CPB beschränkte sich auf die Besteuerung der Handelskarawanen. Nicht so ihr Fussvolk vom Stamm der Wa; die Familien der jungen Soldaten bauten den Mohn schliesslich selber an und verarbeiteten ihn zum Endprodukt Rohopium. Sie waren der Nukleus einer modernen Generation von Kriegern, bestens ausgebildet und bewaffnet für die Schlachten, die sie im Namen ihrer kommunistischen Führung gegen die burmesische Armee zu führen hatten.

Ein als arrogant empfundenes Gefälle zwischen den ideologisch geprägten burmesischen Kadern der CPB und ihrem Kanonenfutter vom Volk der Wa, sowie die gegensätzlichen Ansichten den Anbau und die Vermarktung von Opium betreffend, führten im April 1989 zur offenen Meuterei der Wa gegen ihre kommunistischen Führer, die sie über die Grenze nach China jagten und ihr Hauptquartier in Pangshang übernahmen. Das Abschütteln der anachronistischen Ideologie war die Geburtsstunde der United Wa State Army, USWA, die sofort mit der Militärdiktatur in Rangoon einen Waffenstillstand aushandelte und am 18. Mai 1989 unterschrieb. Zehntausende Kämpfer durften ihre Waffen behalten und die UWSA bekam eine eigeschränkte Selbstverwaltung zugesichert. Wie im Fall der ‚Kae Kwa Yae’ Bürgermilizen 25 Jahre früher (siehe Khun Sa) sah die Militärdiktatur über die Drogenaktivitäten ihrer Hilfstruppe hinweg, die sich mit der erbitterten Bekämpfung von Rangoons Feinden revanchierte.

Als erstes nahmen sie zur Eschliessung von Schmuggelrouten ins Goldene Dreieck die Moeng Tai Army (MTA) von Khun Sa ins Visier (siehe Khun Sa). Jahrelange erbitterte Schlachten sicherten der USWA Stützpunkte entlang der thai-burmesischen Grenze, wo sie schnell ihre Konkurrenten im Drogenhandel ausschaltete, sowie die Freiheitskämpfer der ‚Shan State Army - South’ (SSA-S) und der ‚Karenni National Progress Party’ (KNPP) in Schach hielt. Als Khun Sa sich 1996 den Behörden in Rangoon ergibt und seine Armee sich auflöst, füllt die USWA dieses Vakuum unverzüglich aus.

Heute hat die UWSA über 20.000 schwerbewaffnete Kämpfer in den Bergen. Sie ist Rangoons wichtigster Verbündeter im Kampf gegen den bewaffneten Widerstand in den Shan und Karenni States. Obwohl sie mehrfach dem Drogenhandel abschwor und ihr Territorium bereits 2006 ‚drogenfrei’ sein sollte, ist dies ein allzu fadenscheiniges Lippenbekenntnis und die ‚roten Wa’ (Wa daeng) der USWA sind heute die uneingeschränkten Herrscher des Goldenen Dreieck.


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